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Zwischen Bäumen ragt das Gipfelkreuz des Druidenstein auf den Basaltformationen vor wolkigen Himmel empor.

Die sieben Stimmen des Druidensteigs

Wandern im Westerwald – eine Reise durch Natur, Landschaft und Geschichte

Wenn du auf dem Druidensteig im Westerwald unterwegs bist, wanderst du nicht nur durch eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft. Du bewegst dich auch durch eine Region, in der über viele Jahrhunderte Menschen gelebt, gearbeitet und ihre Spuren hinterlassen haben.

Steinmetze haben Basalt aus dem Fels geschlagen und damit Häuser und Wege gebaut.
Burgbewohner bewachten die wichtigen Handelsrouten durch die Täler.
Müller nutzten die Kraft der Bäche und der Sieg, um Getreide zu mahlen und Dörfer zu versorgen.
Bergleute arbeiteten tief unter der Erde und prägten das Leben vieler Orte im Westerwald und im Siegerland.
Förster sorgten dafür, dass die Wälder wachsen konnten, die du heute auf deinen Wanderungen erlebst.
Und später entdeckten die ersten Urlauber die Ruhe, die weiten Ausblicke und die Natur der Region.

Heute bist du hier.

Der Druidensteig verbindet auf rund 94 Kilometern Naturerlebnis, Geschichte und Wandergenuss im Westerwald. Auf den sieben Etappen dieses Fernwanderwegs begleiten dich symbolisch sieben Stimmen aus verschiedenen Zeiten. Sie erzählen von Menschen, deren Leben eng mit dieser Landschaft verbunden war – und zeigen, wie sich der Westerwald im Laufe der Zeit verändert hat.

Wenn du dich auf den Weg machst, entdeckst du nicht nur Wälder, Aussichtspunkte, Seen und historische Orte. Du wanderst auch durch Geschichten. Schau genau hin, hör hinein – und erlebe den Druidensteig Schritt für Schritt.

Der Steinmetz – Der Ursprung der Landschaft

"Wenn du hier am Druidenstein stehst, siehst du Felsen.
Ich sehe Arbeit.

Mein Name ist Johann. Ich bin Steinmetz, so wie mein Vater und sein Vater vor ihm. Der Basalt hier im Westerwald ist hart – härter als viele andere Steine. Jeder Schlag mit dem Hammer muss sitzen, sonst springt der Stein falsch.

Wir haben aus diesem Stein Treppen gemacht, Mauern, Häuser und Wege. Viele Dörfer hier stehen auf Fundamenten, die aus genau diesem Gestein gebaut wurden.

Wenn du heute durch den Westerwald wanderst, siehst du überall Spuren davon.

Der Druidenstein erinnert mich daran, wie alt diese Landschaft ist. Lange bevor wir Menschen hier lebten, hat die Erde selbst diese Säulen geformt.

Und irgendwie beginnt hier alles."

„Der Fels war für uns nicht Kulisse. Er war Material. Jeder Schlag musste sitzen – sonst zerbrach mehr als der Stein.“

Johann war Steinmetz in einem kleinen Dorf nahe Kirchen. Sein Vater und sein Großvater hatten schon vor ihm mit Basalt gearbeitet, einem Gestein, das den Westerwald vielerorts prägt. Der Stein wurde für Hausfundamente, Treppen, Mauern und Wege gebraucht.

Die Arbeit war hart und verlangte Geduld. Mit Hammer und Meißel bearbeitete Johann den Basalt, der aus der vulkanischen Vergangenheit der Region stammt. Jeder Steinblock musste sorgfältig gespalten werden, damit er für den Bau verwendet werden konnte. Viele Häuser der Region tragen noch heute solche Steine in ihren Mauern – stille Zeugen der Arbeit jener Handwerker.

Der markante Druidenstein bei Kirchen erinnert daran, dass diese Landschaft lange vor den Menschen entstand. Die Basaltsäulen, die hier aus dem Wald ragen, erzählen von gewaltigen Kräften tief im Inneren der Erde.

Wer hier seine Wanderung beginnt, startet nicht nur auf einem Fernwanderweg – sondern an einem Ort, an dem die Geschichte der Landschaft selbst sichtbar wird.

Die Burgbewohnerin - Schutz der Wege

"Ich heiße Anna und ich lebe auf der Freusburg. Von hier oben kann ich weit ins Land schauen.

Die Wege im Tal sind wichtig. Händler ziehen mit ihren Wagen durch den Westerwald, Pilger reisen von Stadt zu Stadt. Manchmal bleiben sie hier auf der Burg stehen, um sich auszuruhen oder Schutz zu suchen.

Wir hören viele Geschichten von draußen – aus Köln, aus Frankfurt, aus fernen Städten.

Von den Türmen aus beobachten wir die Wege. Wer kommt? Wer geht?

Heute wanderst du vielleicht genau dort, wo früher Händler und Reisende unterwegs waren.

Die Wege haben sich verändert – aber sie verbinden die Menschen noch immer."

„Wir lebten nicht auf der Burg, weil es schön war. Sondern weil Wege geschützt werden mussten.“

Anna lebte im 15. Jahrhundert auf der Freusburg, die hoch über dem Siegtal thront. Ihr Vater war Burgverwalter und verantwortlich für die Versorgung der Burg und die Kontrolle der Wege.

Die Burg war nicht nur Wohnort, sondern auch Schutzpunkt für Reisende und Händler. Wagen mit Waren aus dem Siegerland und dem Rheinland zogen durch die Täler. Von den Mauern aus konnte man sehen, wer sich näherte – Kaufleute, Pilger oder manchmal auch fremde Truppen.

Anna erinnerte sich an die geschäftigen Tage im Burghof: Händler, die Rast machten, Pferde, die versorgt werden mussten, und Geschichten aus fernen Städten. Die Wege durch den Westerwald verbanden Regionen miteinander und machten die Burgen zu wichtigen Stationen.

Noch heute vermittelt die Freusburg einen Eindruck davon, wie wichtig diese Höhenlagen einst waren. Von hier aus öffnet sich der Blick über Wälder, Täler und die alten Wege der Region.

Der Müller - Wasser als Wirtschaftskraft

"Hörst du das Wasser?
Für mich ist das das wichtigste Geräusch meines Tages.

Ich heiße Jakob und ich bin Müller an der Dickendorfer Mühle. Wenn das Wasser läuft, läuft auch die Mühle. Dann kommen die Bauern aus den Dörfern und bringen ihr Getreide.

Das Mühlrad dreht sich Tag für Tag. Mal schneller, mal langsamer – je nachdem, wie viel Wasser der Bach führt.

Die Menschen treffen sich hier, tauschen Neuigkeiten aus, warten auf ihr Mehl.

Ohne Wasser gäbe es keine Mühlen, keine Mühlen gäbe es keine Versorgung.

Wenn du heute am Weiher sitzt oder an einem Bach entlang wanderst, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie wichtig das Wasser hier einmal war."

„Wenn das Wasser lief, lief auch die Mühle. Und mit ihr das Leben im Dorf.“

Jakob war Müller an der Dickendorfer Mühle. Schon früh am Morgen begann sein Arbeitstag, wenn das Wasser des Baches das große Mühlrad in Bewegung setzte. Bauern aus den umliegenden Dörfern brachten ihr Getreide zur Mühle, um es mahlen zu lassen.

Das Wasser bestimmte den Rhythmus seines Lebens. Nach starken Regenfällen arbeitete das Mühlrad schnell und kraftvoll, in trockenen Sommern dagegen langsamer. Dann musste Jakob sorgfältig planen, wann er mahlen konnte.

Die Mühle war mehr als ein Arbeitsplatz. Sie war Treffpunkt der Dorfbewohner, Ort des Austauschs und ein wichtiger Bestandteil der regionalen Versorgung.

Auch heute begleiten Bäche, Weiher und kleine Seen den Druidensteig. Besonders prägend für die Region ist jedoch die Sieg, die sich durch das Siegtal schlängelt und seit Jahrhunderten Lebensader für Menschen, Handel und Handwerk ist. Entlang ihres Verlaufs entstanden Siedlungen, Mühlen und wichtige Verkehrswege. Orte wie der Elkenrother Weiher oder der Silbersee zeigen zusätzlich, wie eng das Leben der Menschen früher mit dem Wasser verbunden war.

Der Bergmann - Industrialisierung

"Mein Name ist Karl.
Ich bin Bergmann in Herdorf.

Wenn wir morgens zur Schicht fahren, sehen wir vom Tag nicht viel. Der Weg führt uns tief unter die Erde, in die Stollen hinein.

Das Licht unserer Lampen reicht nur wenige Meter weit. Der Rest ist Dunkelheit.

Aber wir wissen, warum wir hier sind. Das Erz, das wir aus dem Berg holen, wird zu Eisen verarbeitet. Es bringt Arbeit und Leben in die Region.

Viele Familien hier im Westerwald leben vom Bergbau.

Wenn du heute an der Grube Bindweide vorbeikommst, siehst du vielleicht nur alte Anlagen.

Für uns war es einmal der Mittelpunkt unseres Lebens."

„Wir sahen vom Tag nichts. Aber wir wussten: Ohne uns blieb es oben dunkel.“

Karl war Bergmann in Herdorf. Wie viele Männer seiner Generation arbeitete er im Erzbergbau, der das Siegerland und den nördlichen Westerwald lange geprägt hat.

Der Arbeitstag begann früh. In engen Stollen arbeitete Karl mit seinen Kollegen tief unter der Erde. Das Licht der Lampen war oft die einzige Orientierung in der Dunkelheit. Die Arbeit war schwer und gefährlich, aber sie ernährte viele Familien der Region.

Orte wie das Besucherbergwerk Grube Bindweide oder das Bergbaumuseum in Herdorf-Sassenroth erinnern heute noch an diese Zeit und an harte Lebensumstände für damalige Generationen. Förderanlagen, Stollen und Halden erzählen von einer Epoche, in der der Bergbau die Landschaft und das Leben der Menschen bestimmte.

Der Druidensteig führt durch eine Region, in der diese Geschichte noch spürbar ist. Viele Orte verdanken ihre Entwicklung dem Bergbau und der Verarbeitung von Eisen.

Der Förster - Landschaft ist gestalteter Raum

"Ich bin Heinrich, Förster im Westerwald.

Der Wald ist mein Arbeitsplatz – aber auch mein Zuhause. Ich kenne viele dieser Wege seit meiner Kindheit.

Die meisten Menschen glauben, der Wald wächst einfach von allein. Aber so ist es nicht ganz. Wir pflanzen Bäume, pflegen junge Bestände und achten darauf, dass der Wald gesund bleibt.

Ein Baum braucht viele Jahrzehnte, manchmal sogar mehr als ein Menschenleben, um groß zu werden.

Wenn du heute durch diese Wälder wanderst, siehst du das Ergebnis vieler Generationen von Förstern und Waldarbeitern.

Der Wald verändert sich langsam.
Und genau das macht ihn so besonders."

„Der Wald ist kein Gegenstück zur Arbeit. Er ist auch Arbeit und er braucht Zeit. Viel mehr Zeit, als ein Mensch zum Wachsen braucht.“

Heinrich war Förster im Westerwald. Sein Arbeitsplatz war der Wald – eine Landschaft, die über Generationen hinweg gepflegt und bewirtschaftet wurde.

Der Wald war nie einfach nur Natur. Er wurde bewirtschaftet, gepflanzt und gepflegt. Heinrich kannte jeden Weg, jede Lichtung und viele der alten Bäume. Er wusste, welche Flächen neu aufgeforstet werden mussten und wo der Wald sich von selbst erneuerte. So entstand eine Landschaft, die heute zu den schönsten Wanderregionen im Westerwald gehört.

Wenn du über die Waldwege des Druidensteigs wanderst, bewegst du dich durch diese gewachsene Kulturlandschaft. Dichte Wälder, ruhige Pfade und weite Ausblicke machen das Wandern hier zu einem besonderen Naturerlebnis.

Die Urlauberin der 1960er

"Ich heiße Maria und ich bin zum Wandern hierhergekommen.

In der Stadt ist alles laut und hektisch. Aber hier im Westerwald ist es anders.

Meine Familie und ich haben unsere Rucksäcke gepackt und sind früh am Morgen losgegangen. Frische Luft, Wälder, weite Ausblicke – das ist genau das, was wir gesucht haben.

Früher kamen die Menschen hierher, um zu arbeiten. Heute kommen viele, um sich zu erholen.

Wir sitzen am Weiher, machen Picknick und genießen die Ruhe.

Für uns ist der Westerwald ein Ort geworden, an dem man wieder durchatmen kann."

„Zum ersten Mal kamen Menschen nicht hierher, um zu arbeiten – sondern um zu bleiben.“

In den 1960er-Jahren kam Maria mit ihrer Familie zum Wandern in den Westerwald. Die Region hatte sich verändert: Viele industrielle Tätigkeiten gingen zurück, und immer mehr Menschen aus den größer werdenden Städten suchten in der Natur einen Ausgleich zum hektischen Alltag.

In ihrer freien Zeit wanderte die Familie mit Rucksack und Proviant über Waldwege und Höhenzüge. Frische Luft, weite Ausblicke und die Stille der Wälder boten genau das, was vielen im städtischen Leben fehlte. Aussichtspunkte, Seen und schattige Waldpfade wurden zu beliebten Zielen für Menschen, die Abstand vom Alltag suchten.

So entwickelte sich der Westerwald nach und nach zu einer Wanderregion, in der Natur und Ruhe im Mittelpunkt stehen.

Der heutige Wanderer

"Ich bin heute auf dem Druidensteig unterwegs.

Der Weg führt mich durch Wälder, über Höhenzüge und zu alten Orten mit Geschichte.

Wenn ich hier wandere, denke ich manchmal daran, wer vor mir schon alles durch diese Landschaft gegangen ist. Steinmetze, Händler, Müller, Bergleute.

Viele Generationen haben diese Region geprägt.

Heute gehe ich denselben Weg – aber aus einem anderen Grund.

Nicht um zu arbeiten.
Sondern um die Natur zu erleben, die Ruhe zu genießen und den Westerwald Schritt für Schritt zu entdecken."

Ich gehe denselben Weg wie viele vor mir – aber ich sehe ihn mit anderen Augen.

Heute entdecken Wandernde den Druidensteig als abwechslungsreichen Fernwanderweg. Die Landschaft hat sich verändert, doch die Spuren der Vergangenheit sind überall sichtbar.

Von Aussichtstürmen wie dem Ottoturm oder dem Barbaraturm reicht der Blick weit über den Westerwald. Historische Orte wie Schloss Friedewald erzählen von der langen Geschichte der Region.

Wer heute auf dem Druidensteig unterwegs ist, folgt den Spuren vieler Generationen. Der Weg verbindet Natur, Kultur und Geschichte – und macht sichtbar, wie sich diese Landschaft über die Jahrhunderte entwickelt hat.

Den Druidensteig selbst erleben

Der Druidensteig führt über rund 94 Kilometer durch die abwechslungsreiche Landschaft des nördlichen Westerwaldes. Sieben Etappen verbinden Naturerlebnisse mit spannenden Einblicken in die Geschichte der Region.

Wer den Weg geht, begegnet nicht nur Wäldern, Tälern und Aussichtspunkten – sondern auch den Geschichten der Menschen, die hier gelebt haben.

👉 Entdecken Sie die Etappen des Druidensteigs und erleben Sie die sieben Stimmen dieser besonderen Landschaft selbst.